Rauchsaison in Thailand – eine ganze Region erstickt im Rauch

von | 11. Jan, 2016 | Reisen - Tipps und Ziele | 12 Kommentare

 

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Thailand und schlechte Luft? Immer noch sehen wir meist ungläubige Gesichter wenn wir davon abraten im März und April Nordthailand zu besuchen. Leider ist es noch nicht verbreitet genug, das Wissen über die zusätzlichen Jahreszeit, die Rauchzeit in Thailand. Fakt ist aber, sobald es einige Wochen trocken ist geht es los. Die Rauchsäulen steigen aus dem Dschungel hoch, die Luft wird dicker, meine Kontaktlinsen bleiben nicht mehr in den Augen. Wir haben alle eine verstopfte Nase und Husten. Plötzlich haben die Menschen um uns rum „Allergien“ und die Berge gegenüber verschwinden langsam aus dem Sichtfeld. Nachts sieht man nach und nach immer mehr Feuerschneißen, die zwar sehr beeindruckend wirken, leider aber keine gute Auswirkung auf uns haben. Warum ist das nun so? Warum wird das Brennen nicht gestoppt und wer ist dafür verantwortlich?

Anders als in Deutschland wird in Thailand ganzjährig der Müll und störendes Gras verbrannt. Das ist aber leider nicht alles.

Update vom 11.1.2016: Es gibt auf Vimeo eine sehr informative Dokumentation über den ganzen Sachverhalt. Besonder das Pyrolyseverfahren wird dabei sehr gut dargestellt!

Wann wird der Rauch zum Problem?

Ab Februar wird die sonst so klare Luft nördlich von Bangkok immer schlechter. Negativer Höhepunkt ist normalerweise Ende März und Anfang April, wenn man auf Nummer sicher gehen möchte, muss mann März und April als Reisemonate streichen.

Was wird verbrannt und wie entsteht der Rauch?

Man kann die Situation in erster Linie auf die folgenden Auslöser zurückführen:

1. Landwirtschaftliche Flächen: Abbrennen vor der neuen Aussaat

Asche als Düngemittel hat nicht nur in Thailand eine lange Tradition. Die Tatsache, dass es aus heutiger Sicht sinnvollere Methoden gibt, die vor allem langfristig die Erträge durch nahrhaften Boden verbessern, spielt eine untergeordnete Rolle. Einer der Gründe ist, dass im ländlichen Thailand viele Tätigkeiten noch händisch ausgeführt werden, schwere und große Maschinen sind aus Kostengründen oftmals nicht vorhanden und das wellige Terrain erschwert den Einsatz von Maschinen. Unter diesen Umständen liegt ein Abbrennen der Erntereste nahe, unterpflügen oder kompostieren sind wesentlich arbeits- und zeitaufwendiger. Zumindest kurzfristig betrachtet.

Hinzu kommt die Brandrodung von Waldflächen zur Erschließung neuer Anbauflächen, vor allem zum Maisanbau im großen Stil.

2. Dschungel: Abbrennen des Unterholzes und des losen Blattwerks

Der Dschungel wird von vielen Menschen noch regelmäßig genutzt, sei es nur zum Durchgehen oder zum Ernten von Pilzen und anderen Pflanzen. Zum Ende der Trockenzeit sammeln sich auf dem Waldboden 1 Meter und höhere Barrieren aus heruntergefallen Blättern und Ästen. Um die bessere Nutzbarkeit des Dschungels zu erhalten, wird dieser Unrat abgebrannt und mit ihm natürlich auch Jungpflanzen und viele Tiere. Die großen Harthölzer wie z. B. Teak tragen kaum Schaden davon und aus der Asche kann schon bald wieder so mancher seltene Pilz oder ein beliebtes Kraut geerntet werden. Besonder wichtig in diesem Zusammenhang ist ein Pilz mit dem Namen Astraeus hygrometricus, der vielen Familien einen Großteil des Jahreseinkommens beschert. Dieser wächst nach den ersten Regenfällen und in einem „sauberen“ Wald lässt er sich natürlich leichter finden.

Manche behaupten auch, dass die Bewohner den Waldboden einfach so aufräumen möchten – der Ästhetik wegen.

3. Straßenverkehr und Abfallverwertung

In vielen Gegenden Thailands ist die Verbrennung von Gartenabfällen, Holz und normalem Haushaltsmüll noch sehr weit verbreitet. Man kann aber davon ausgehen, dass dieser Faktor eine untergeordnete Rolle darstellt was die extreme Luftverschmutzung zu dieser Jahreszeit anbelangt. Müll wird ganzjährig verbrannt ohne die Folgen extremer Luftverschmutzung, es trägt aber sicherlich auch einen Teil zur Gesamtsituation bei.

Auch der normale Straßenverkehr vor allem in Form von unzähligen Motorrädern und rußenden Lastwagen hat natürlich einen Anteil an der schlechten Luft. Wenn man sich allerdings die Situation in einem Bergdorf wie Pai ansieht ohne viel Verkehr und weit entfernt von großen Städten oder Industrie wird schnell klar: die Hauptursachen sind in den ersten beiden Punkten zu suchen.

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Es handelt sich nicht nur um ein nationales Problem

Das Problem der Luftverschmutzung betrifft nicht nur Thailand, sondern auch die benachbarten Staaten Myanmar, Laos und teilweise Vietnam. Gerade in Nordthailand lässt sich der Verursacher gar nicht klar definieren, da der Rauch je nach Windrichtung auch von Laos oder Myanmar kommen kann. Selbst wenn Thailand die Brände also in den Griff bekäme, ein Ende der Misere wäre das noch nicht, eine Verbesserung aber zweifelsohne.

Wie schlimm ist es tatsächlich?

Alleine die Schlangen von erkrankten Menschen vor den Krankenhäusern in Chiang Mai sind Beleg für die gesundheitlichen Auswirkungen. Die langfristigen Folgen sind relativ schwer zu beziffern aufgrund ungenauer Datenbestände und vieler Einflussfaktoren auf Lungenerkrankungen wie normalem Rauchen.

Unsere persönliche Meinung ist, dass der Rauch extrem starke Auswirkungen auf die Lebensqualität hat. Aber die Meinungen zur Luftverschmutzung gehen weit auseinander. Viele reden die Situation schön, frei nach dem Motto: eine Zigarette ist viel schlimmer als der Rauch. Andere bestreiten die Luftverschmutzung sogar, was aber angesichts messbarer Feinstaubwerte und der verringerten Sichtweite absurd erscheint. Auf diese beiden Umstände wollen wir etwas näher eingehen.

Sichtbarer Rauch – verschwundene Berge

Die folgenden beiden Fotos sind innerhalb von ca. fünf Monaten entstanden, selber Ort und selbe Blickrichtung, nur die Tageszeit war eine andere, das ist aber für den Vergleich nicht relevant. Man sieht deutlich, dass man auf dem zweiten Foto gar nichts mehr sieht. Und dabei handelt es sich nicht um geheimnisvollen Morgennebel, es blieb den ganzen Tag so. Man kann normalerweise sogar direkt in die Sonne schauen bei eigentlich wolkenfreiem Himmel.

Rauch in Pai - Vorher und Nachher

Pai, Thailand. Zwei Fotos mit 5 Monaten Abstand. Dicker Rauch hängt über dem Tal und die Berge sind nicht zu sehen

Interessant ist in diesem Jahr folgende Beobachtung: es gab in der letzten März Woche starke Regenfälle, dadurch wird die Luft eigentlich wieder klar und die Feinstaubbelastung geht zurück. Allerdings kam dieser Regen etwas zu früh, kaum war alles abgetrocknet gingen die Brände von vorne los und 10 Tage nach dem Regen sind die Feinstaubwerte wieder oben, begünstigt durch starke Winde und die aktuelle Hitze von ca. 35-40 Grad.

Der PM10 Feinstaubwert als Indikator

Um die Luftverschmutzung messbar und vergleichbar zu machen kann man sich des Feinstaubwerts PM10 bedienen. Der PM10 misst das Vorkommen von Staubpartikeln mit einem aerodynamischen Durchmesser von unter 10 µm, der Grenzwert in der EU liegt bei 50 µg/m³. Dieser darf nur 7 Mal pro Jahr überschritten werden, dann müssen entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden.

Wir haben in den vergangenen Jahren in Thailand immer wieder Spitzenwerte von bis zu 500 µg/m³ gefunden, teilweise liegen die Werte über mehrere Wochen zwischen 200 und 300 µg/m³, und zwar flächendeckend für Nordthailand.

Selbst wenn man davon ausgeht, dass der EU Wert bewusst sehr niedrig angesetzt ist – es dürfte klar sein, dass der 5-10 fache Wert ungesund ist. Aktuelle Werte kann man auf der Website Air4Thai anschauen, diese ist auch auf Englisch verfügbar sowie auf der AQICN Website.

Was kann man dagegen machen?

Sobald die Werte über ca. 100 steigen sollte man sich darauf entsprechend einstellen und handeln. Alle großen Supermärkte verkaufen Schutzmasken mit austauschbarem Partikelfilter, die vor allem bei Motorradfahrern Anwendung finden. Viele Leute tragen auch einfachen Papier Mundschutz, mehr als einen Placebo Effekt bewirken diese aber nicht.

Sport im Freien wird zur Qual, wer es sich leisten kann sitzt den ganzen Tag in klimatisierten Räumen. Allerdings sollte man die Klimaanlage auch mit einem Staubfilter versehen, sonst bläst man sich den Dreck direkt in den Raum. Wenn man keine Klimaanlage hat kann man den Wohnraum noch mit einem Luftfilter reinigen. Das erfordert aber einen relativ luftdichten Bau, was bei Holz- und Bambuskonstruktionen ein Ding der Unmöglichkeit ist.

Wenn man ehrlich ist und seine Tage nicht in hermetisch versiegelten Räumen verbringen möchte, gibt es nur eine wirkliche Lösung: nichts wie weg von hier. Wir waren 2015 für ca. fünf Wochen auf Koh Chang im Süden und haben Rauch gegen frische Meeresluft eingetauscht.

Wann verschwindet der Rauch?

Normalerweise löst sich das Problem wie von Zauberhand mit dem ersten Regen zum Ende der Trockenzeit im April. Diesen gab es 2015 zwar bereits wie oben beschrieben, offensichtlich kam dieser aber zu früh. In der Regel hält sich der Rauch bis Mitte oder Ende April, dann kommen die ersten richtigen Regenfälle und es ist bis dahin auch alles abgebrannt was abgebrannt werden soll. Die Luft ist wieder klar und man hat für ca. 10 Monate Ruhe.

Aussichten für die Zukunft

Die Aussichten sind eher schlecht. Die Hintergründe sind vielschichtig und die Vorgehensweise kann als Tradition bezeichnet werden. Was das Abbrennen des Dschungels anbelangt berufen sich die Verursacher der Brände auf Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte alte Methoden, quasi als Gewohnheitsrecht. Und selbst wenn man die Verursacher zur Rechenschaft ziehen möchte, einen ortskundigen Brandstifter im Dschungel zu finden, es gibt leichtere Aufgaben für die Ordnungsbehörden. Im Bezug auf das Abbrennen der Felder wäre die Umsetzung von Verboten einfacher, aber auch hier tut sich sehr wenig.

Am ehesten sind Fortschritte bei der Müllverbrennung zu erkennen, was durch eine Verbesserung der öffentlichen Müllverwertung erreicht werden konnte.

Aber es gibt auch gute neue Ansätze. In einem Artikel auf www.chiangmaicitylife.com ist von mehreren sehr interessanten Ansätzen die Rede:

  • Umwandlung von organischem Müll zu Biokohle oder Pflanzenkohle, der Prozess als solcher wird als Pyrolyse bezeichnet. Ein Team von Forschern hat einen Ofen entwickelt, der auf einem Pickup passt und damit direkt auf den Feldern angewandt werden kann. Das Endprodukt kann dann durch Beimengung anderer Stoffe als Pflanzendünger verwendet werden, mehr Informationen dazu gibt es bei Wikipedia.
  • Auch bei dem „Pyramid Compost Education Project“ geht es um die Umwandlung von Ernteresten zu Dünger. Die trockenen Blätter und Erntereste werden in einer pyramidenform geschichtet, gewässert anstatt verbrannt und es entsteht hochwertiger Kompost.
  • Der Anbau der wertvollen Pilze soll auf Farmen unter kontrollierten Bedingungen ohne das Abrennen vom Dschungel ermöglicht werden.

Man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben. Vielleicht ändert sich ja doch noch etwas in den nächsten Jahren!

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