Wir wurden vor kurzem wieder als „Experten“ zu einem anstehenden Online Kongress interviewt, Details dazu folgen in Kürze. Dabei kam unter anderem die Frage auf, welches Thema uns durch die Leser unseres Blogs regelmäßig begegnet. Wir waren uns schnell einig: selbst bei einem sehr ausgeprägten Reisewunsch ist oft die Angst vorhanden, lange Reisen von mehreren Monaten selbst organisiert anzutreten. Besonders ausgeprägt scheinen diese Sorgen, sobald Kinder involviert sind. Darum soll es in diesem Artikel gehen, den wir aufgrund der Fülle an Informationen in zwei Teilen veröffentlichen.

Generell gilt: Angst zu haben ist gar nicht schlimm, sondern etwas sehr natürliches und wichtiges. Trotzdem sollten unsere Ängste uns nicht von der Erfüllung unserer Träume abhalten. Mit einer bedachten Herangehensweise kann man die meisten dieser Ängste vor langen Reisen und damit auch irgendwie ins Ungewisse aus dem Weg räumen.

Schauen wir uns einmal die Art der Ängste an mit denen viele von uns auf Reisen konfrontiert werden:

Essen, Windeln und andere (Nicht)-Probleme

Hierbei geht es um ganz alltägliche Dinge die in unserem geregelten Umfeld meist kein Problem darstellen, da wir alle täglich damit umgehen und ein Lösungsschema dafür haben. Wir wissen wo es die benötigten Artikel zu kaufen gibt und wie man sich die nötigen Informationen besorgt. Begibt man sich nun in ein neues Umfeld, noch dazu in ein fremdes Land mit anderen Sitten und einer anderen Kultur, wird dies auf einmal zum Problem mit einem großen Fragezeichen. Hier hilft jedoch ganz rational zu überlegen, brauchen die Menschen die dort Leben dies auch? Wenn ja dann wird es wohl zumindest etwas in der Art auch für uns geben.

Konkrete Fragen die immer wieder auftauchen:

Gibt es Windeln in zum Beispiel Thailand?
Bekomme ich geeignete Nahrung für mein Kind?
Gibt es Sonnencreme und Mückenschutzmittel?

Unsere Antwort auf all diese Fragen ist erstmal ganz einfach: Ja, klar gibt es das alles und noch mehr! Denn ob man es glaubt oder nicht, in Thailand und allen anderen Ländern der Welt wachsen Kinder ähnlich auf wie bei uns und auch die Erwachsenen dort haben ziemlich ähnliche Bedürfnisse wie wir.

Warum sollte es also grundlegende Dinge nicht geben? Die Frage ist nun eher, habt ihr ein bestimmtes Produkt, das es unbedingt sein soll? Wenn ja, dann nehmt es mit. Könnt ihr mit einer Alternative leben? Dann fangt an mit den Menschen um euch herum zu reden, und ihr werdet herausfinden, wo es was zu kaufen gibt und welche Variante euch empfohlen wird.

Ein Beispiel von uns: Windeln haben wir natürlich vor Ort in Thailand besorgt, Mückenschutzmittel gibt es hier auch zur Genüge. Da wir aber etwas zickig sind, welches wir uns auf die Haut schmieren, nehmen wir ein von uns bevorzugtes aus Deutschland mit, dabei handelt es sich um Antibrumm Naturell*, kein DEET und dennoch sehr wirksam!

Gerade diese kleinen Dinge kann man also gut mitnehmen, wenn man sich dann besser fühlt. Das meiste gibt es aber eben auch vor Ort. Jegliche Kosmetik, Nahrung und sonstige Bedürfnisse können in den meisten Ländern der Welt gut abgedeckt werden, in Thailand ist das definitiv so. Selbst wenn es einmal nicht genau das gibt was man sich vorgestellt hat, findet man eine gleichwertige Alternative, die unter Umständen sogar besser ist.

Bei der Nahrung ist es wohl gerade mit kleinen Kindern ähnlich wie zu Hause. Es findet sich immer etwas, das die Kinder essen, alles werden sie wohl in den wenigsten Fällen mögen. Wir behaupten aber einmal, das es viele Länder auf der Welt gibt, die es einem einfacher machen, an gutes und günstiges Essen unterwegs zu kommen als es zum Beispiel in Deutschland der Fall ist.

Sozialisation – wer spielt und redet mit uns

Eines der größten Themen überhaupt für Eltern die auf Reisen gehen wollen, ist die Angst, dass ihre Kinder keine Spielkameraden haben werden. Nun sind wir selbst beide Einzelkinder und erinnern uns daran, dass unsere Eltern gerne Hotels mit Animation ausgewählt haben. Dies zeigt, diese Angst ist wohl schon länger ein Thema – wobei man natürlich auch anderen Beweggründe dafür finden kann, wie den Ruhewunsch der Eltern.

Wir haben uns auch schon oft Gedanken über dieses Thema gemacht. Selbstverständlich will man nur das Beste für sein Kind und es nicht einsam neben einer Gruppe von anderen Kindern stehen sehen. Unsere Erfahrung unterwegs hat uns aber ganz klar gezeigt, wenn die Eltern offen und gesprächig auf andere Menschen zugehen, machen es die Kinder nach. Reisende Familien treffen oftmals ähnliche Familien, da man ähnliche Bedürfnisse hat und sich somit an ähnlichen Plätzen aufhält. Somit hat man schon einmal die anderen Familien die unterwegs sind als Anlaufpunkte für soziale Interaktionen. Zudem ist es vor allem in warmen Gefilden üblich, dass sich das Leben auf der Straße abspielt. Spätestens am Nachmittag, wenn die Schulen aus sind, tummeln sich die Kinder auf öffentlichen Plätzen und in den Restaurants und Geschäften der Eltern. Die wenigsten dieser Kinder sind fremden Kindern gegenüber abweisend. Sie sind meist neugierig und offen. Die reservierten und zurückhaltenden sind oft die Erwachsenen, also mein Tipp: Übertragt nicht eure Ängste und Unsicherheiten auf eure Kinder, sondern ermutigt sie dazu, sich der Welt zu öffnen – dann nimmt sie die Welt mit offenen Armen auf!

Aber: gut Ding will Weile haben, und Sprache ist kein Hindernis

Bei der Ermunterung solltet ihr es aber auch nicht übertreiben. Gebt euren Kindern eine Anlaufphase, je nachdem wieviel ihr bisher schon mit ihnen gereist seid, müssen sie sich an die neue Situation auch erstmal gewöhnen. Erwartet nicht gleich zu viel von Ihnen, es ist kein Wettlauf darum, wer am schnellsten Freunde findet. Vielleicht wollen eure Kinder auch erst einmal wieder viel Zeit mit euch verbringen, euch dabei beobachten, wie ihr auf die neue Situation reagiert, und es euch dann gleich tun. Deshalb geht mit gutem Beispiel voran und seid offen für jeden, nicht nur für Menschen mit der gleichen Sprache oder Hautfarbe. Wenn eure Kinder in der neuen Situation angekommen sind, dann werden sie sich auch anfangen von euch zu lösen und auf andere Menschen zu gehen.

Habt keine Angst vor Sprachbarrieren, die bestehen meist nur in unseren Köpfen. Kinder sind Meister der Anpassung, für sie ist es am allerwichtigsten spielen zu können. Hierfür ist selten eine gemeinsame Sprache vonnöten. Natürlich hilft diese oft, es geht aber eben auch gut ohne. Am Strand, auf dem Fußballplatz, eigentlich überall, leben unsere Kinder auf, wenn sie sich frei bewegen und ihrem Spiel nachgehen können. Dies geschieht sehr oft ohne viele Worte, deshalb benötigen sie auch nicht zwingend eine gemeinsame Sprache. Kinder die länger unterwegs sind erlernen oftmals sehr schnell die Wörter, die sie unbedingt benötigen. Liams erste englische Wörter waren diejenigen, die er für seine Spiele gebraucht hat. So wird es auch euren Kindern gehen, befreit euch von euren Sorgen. Und ihr werdet merken: mit jeder Woche, die ihr länger unterwegs seid, werden diese von selbst kleiner werden.

Kinder sind kein Grund, um mit dem Reisen aufzuhören – ganz im Gegenteil!
Unsere Gedanken über die Welt, in die unser Sohn hineinwächst
Unser Thailand Knigge

Beängstigende Ausnahmesituationen: Unfälle und Krankheiten

Eine Horrorvorstellung für viele Menschen ist zweifelsohne: Was ist, wenn ich im Ausland krank werde? Nicht zu wissen, wo der nächste Arzt ist und nicht seine vertraute Umgebung haben, wenn man sich schlecht fühlt.

Das ist ein ein sensibles Thema, aber auch hier sollte man sich folgendes vor Augen führen. Wie oft wird man tatsächlich so krank, dass man einen Arzt benötigt? Wie wahrscheinlich ist ein Unfall? Es ist eine Ausnahmesituation, nicht die Regel.

Medizinische Versorgung

Mit ein wenig Umsicht und Vorsorge kann man sich meist gut behelfen. Zum Einen hilft es eine Langzeitauslandskrankenversicherung zu haben, die schon einmal das Finanzielle regelt. Informiert euch vorab über gute Krankenhäuser in den Ländern bzw. Städten in denen ihr seid. Dank Facebook Gruppen und Google sind diese Informationen für jeden einfach zu bekommen. Wendet euch an Mitreisende, Hotels oder Nachbarn. Die meisten Menschen sind sehr hilfsbereit und es findet sich oftmals schnell eine Lösung. Wir leben hier im Norden Thailands ziemlich ab vom Schuß, und trotzdem gibt es hier Ärzte, Zahnärzte, Apotheken und Krankenhäuser. Es ist nicht immer alles gleich so einfach wie in Deutschland, ein wenig mehr Selbstverantwortung und Handlungsbedarf ist schon nötig. Trotzdem fühlen wir uns sicher und gut aufgehoben und hatten in den letzten 10 Reisejahren nie ernsthafte Probleme. Wenn ihr noch Tipps zu eurer Reiseapotheke benötigt, schaut euch unsere Favoriten an und verlasst euch auf eure Intuition.

Die nicht so lieben Tiere in den Tropen

Ein besondere Stellung nimmt die Angst vor gefährlichen oder giftigen Tieren ein. Es wird zwar niemanden mit einer ausgeprägten Arachnophobie beruhigen, aber soviel sei gesagt: in Thailand zum Beispiel gibt es nach Expertenmeinung keine tödlichen Spinnen oder Skorpione. Das ist doch schon mal etwas. Daneben gibt es noch ein paar andere sehr schmerzhafte aber nicht lebensbedrohende Tiere hier: Tausendfüßler und Raupen mit giftigen Haaren beispielsweise.

Was Schlangen anbelangt, da können wir keine derart beruhigenden Worte schreiben. Es gibt sehr viele extrem giftige Schlangenarten in Thailand. Aber: diese haben euch nicht als Lieblingsgericht auf der Speisekarte. Wir hatten in rund 4 Jahren zusammengerechneter Aufenthaltsdauer in Thailand noch keine einzige brenzlige Situation, trotz der Tatsache, dass gerade Pai von Feldern und Dschungel umgeben ist. Man sieht zwar immer mal wieder eine Schlange, aber nahe gekommen ist uns noch nie eine.
Ein bisschen Vernunft im Umgang mit dem Thema schadet aber nicht: wir laufen nicht durch hohes Gras oder geflutete Felder. Und wir machen uns nicht auf die Suche nach quakenden Fröschen – die Suche überlassen wir den Schlangen, denen schmecken die Frösche auch besser.

Im Meer – Quallen, Haie und andere Meeresbewohner.

Haie schaffen es nur in den wenigsten Ländern auf die Titelseiten. Quallen hingegen sind auch in Thailand nach einigen, teilweise tödlichen Zwischenfällen in den letzten Jahren ein Thema. Wenn also Schilder am Strand davor warnen ist Vorsicht geboten.

Davon abgesehen: natürlich gibt es noch mehr Meeresbewohner, die bei Kontaktaufnahme schmerzhafte Folgen haben können, Seeigel wären da ein Beispiel. Hier gilt wieder: die Gefahr lässt sich nie ganz ausschließen, aber will man sich von dem eher unwahrscheinlichen Fall wirklich einschüchtern lassen? Als Alternative bietet sich dann natürlich ein Swimmingpool an.

Die wesentlich größere Gefahr: Moskitos

Angst vor Tieren äußert sich zumeist gegenüber solchen Exemplaren mit großen Zähnen oder giftigen Sekreten. Statistisch gesehen ist eine andere Gefahr jedoch viel realer: Moskitos und andere Stechmücken. Deutlich wird das durch die folgende Infografik:

Infographic: The World’s Deadliest Animals | Statista
Quelle: Statista

Historisch bedingt haben die meisten Menschen Angst vor Malaria, in Thailand zum Beispiel ist das in den meisten Regionen unbegründet, da Malaria weitestgehend unter Kontrolle ist. Ganz anders sieht es jedoch bei Dengue Fieber aus:

  • Seit Jahren steigende Krankheitszahlen in allen Regionen Südostasiens und anderen tropischen Ländern.
  • Übertragung durch tagaktive Moskitos, was den Schutz vor Stichen erschwert im Vergleich zu den vor allem in der Dämmerung aktiven Artgenossen.
  • Es gibt noch keinen Impfstoff, der sich als sowohl wirksam als auch ungefährlich erwiesen hat. In einigen Ländern wie z. B. Brasilien laufen seit etwa zwei Jahren Impfkampagnen mit verschiedenen Impfstoffen. Wie gut diese sind wird die Zukunft zeigen.
  • Es gibt keine spezifischen Medikamente, es kann nur symptomatisch behandelt werden, beispielsweise durch fiebersenkende Mittel.

Die größte Gefahr von kritischen Komplikationen besteht bei einer weiteren Infektion mit einem anderen Erregerstamm. Weitergehende Informationen bietet unter anderem dieser Wikipedia Artikel.

Wir sagen es ganz ehrlich: Dengue, Zika und Co. sind eine Sorge, die uns auch begleitet und von der wir uns nicht ganz freimachen können, zumal in unserem direkten Umfeld in den vergangenen 3 Jahren mehrere Menschen an Dengue erkrankt sind. Wenn man sich damit unwohl fühlt, ist es vielleicht besser die Tropen zu meiden, es gibt ja so viele andere schöne Flecken auf der Erde.

Angst und Sorgen sind menschlich – sollten aber euren Träumen nicht im Wege stehen

Abschließend möchten wir noch einmal darauf hinweisen, dass Ängste und Sorgen etwas normales sind, sei es vor kulturellen Hürden oder ungewohnter Natur. Mit etwas Umsicht und Vorausplanung gibt es aber keine unüberwindbaren Hindernisse.

Lasst euch auf das Abenteuer ein, wachst daran und lernt aus euren Erfahrungen, den guten und den schlechten!

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