Elefanten hautnah in Pai erleben – mit Würde und Respekt

von | 9. Mai, 2016 | Reisen - Tipps und Ziele | 14 Kommentare

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Familien und Backpacker die Thailand bereisen, haben nicht selten die feste Absicht, Elefanten zu begegnen und auf ihnen zu reiten. Das ist für uns einerseits verständlich, sind es doch unglaublich faszinierende Geschöpfe. Wir schlüpfen aber häufig und gerne in die Rolle der Mahner und bitten Leute darum, nicht wahllos zu einer der unzähligen Touristenattraktionen mit Reitgelegenheit zu laufen, sondern lieber nach Projekten Ausschau zu halten, die sich im positiven Sinne diesen majestätischen Tieren annehmen und sie würdevoll behandeln. Wir haben nun endlich einen solchen Ort in Pai gefunden und wollen gerne von diesem berichten!

Elefanten und Thailand – eine lange Geschichte

Roter Elefant auf weissem Grund

Thailands Flagge bis 1917, als Thailand noch Siam hieß. Quelle: Wikipedia

Majestätisch trifft, was die Bedeutung des Elefanten in Thailand anbelangt, den Nagel auf den Kopf. Thailand hieß bis ins zur Mitte des 20. Jahrhunderts Siam und bis 1917 war die Landesflagge ein weisser Elefant auf rotem Grund.

Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Thailand noch mehr als 100.000 Elefanten, 50 Jahre später hatte sich diese Zahl halbiert, heute sind es nach Schätzungen ca. 5.000, die Meisten in Gefangenschaft. Aufgrund der massiven Zerstörung der natürlichen Dschungelgebiete schwindet der Lebensraum und die über Jahrhunderte als Helfer genutzten Elefanten haben durch Maschinen ihre wirtschaftliche Bedeutung verloren.

1989 wurden ein Gesetz erlassen, dass die Rodung des Dschungels stark einschränkte, und so verloren die Elefanten eine ihrer letzten großen Aufgaben, was sie und ihre Mahouts in finanzielle Probleme stürzte. Viele Elefanten werden deshalb heutzutage als Touristenattraktion eingesetzt, zum Trekking oder zirkusartigen Shows.

Vor der Show kommt die Qual – Warum wir vom Reiten auf Elefanten abraten

Es ist ja auch zu verführerisch: diese friedlichen Dickhäuter, die trotz ihrer immensen Größe und Kraft so sanft und vorsichtig mit Menschen umgehen. Darauf zu Reiten erscheint vielen als eine tolle Idee – wenn man sich mit dem Weg dorthin auseinandersetzt wird schnell klar: es gibt hier nur einen Beteiligten, der so einen Ausritt als Vergnügen betrachtet, und es ist nicht der Elefant.

Eigentlich sollte es heutzutage gar nicht mehr nötig sein, explizit darauf hinzuweisen, aber wir haben ein paar Quellen zusammengetragen, die die Misshandlungen beim Training der Elefanten beschreiben und teilweise auch auf bildstarken Foto- und Videoaufnahmen dokumentieren, besser nicht mit Kindern anschauen:

  • Auf der Peta Website findet man ein brutales Video vom Training in Nepal und andere Hinweise
  • The Dodo zeigt in diesem Artikel extreme Formen der Misshandlungen

Oftmals wird als Gegenargument die jahrhundertelange Tradition des Elefanten als Arbeitstier angeführt und die Abhängigkeit der Mahout Familien. Aber nicht alles, was traditionell ist, ist auch gut in unseren Augen. Kinderarbeit hat auch eine lange Tradition, aber hier sind sich wohl auch die meisten einig, dass es besser wäre Alternativen für die Familien zu finden, als Kinder in Arbeitslager zu schicken.

Wir hoffen doch sehr, dass es genug Menschen gibt, die Elefanten auch dann als (Touristen-)attraktion sehen und dafür bezahlen möchten, wenn sie ihnen in einem natürlichen Lebensraum zuschauen können und von den Mahouts Informationen erhalten. Dazu muss man nicht auf ihnen reiten, es ist nur ein kleines Umdenken erforderlich, und schon gäbe es genug Einkommensmöglichkeiten. Statt 10 Euro für das Reiten zu zahlen lieber 20 Euro spenden wäre eine mögliche Schlussfolgerung.

Zwei Elefantenkühe haben ein neues Zuhause in Pai

Kommen wir jetzt zu unserem Erlebnis in Pai. Es gibt hier seit Jahren etliche Elefantencamps, die wir durch die Bank meiden und immer gemieden haben. Die Elefanten stehen dort den ganzen Tag angekettet in Stallungen und werden von vorbeifahrenden Touristen und Einheimischen gefüttert, und ab und zu reiten Menschen auf Ihnen ein wenig durch die Umgebung. Sogar unser 4-jähriger Sohn hat inzwischen Mitleid mit den Tieren, wenn er sie die Straße entlang schleichen sieht – glücklich sieht anders aus.

Umso mehr freuten wir uns, als wir vor Kurzem von Miguel, dem Betreiber eines Wiederaufforstungsprojekts einen Flyer erhalten haben, in dem er zu einer Spendenveranstaltung einlud. Die Kurzform der Geschichte ist, dass auf mehr als 70.000 Quadratmeter Land Miguel und sein Team von der Conserve Natural Forest Organisation eine Baumzucht betreiben und darüber hinaus die Aufzucht gefährdeter Tierarten anstreben, unter anderem vom Aussterben bedrohte Vögel und Schildkröten.

Vor kurzem haben sie zwei Elefanten aus einem der unzähligen Camps in Nordthailand heraus gekauft, die 45-jährige Mutter und ihre Tochter sind beide trächtig und ihnen steht das komplette Gelände zur Verfügung.

Ein unbeschreibliches Erlebnis für Groß und Klein

So kam es, dass wir an einem heissen Sonntag Nachmittag in einen eher abgelegenen Teil des Tals fuhren, 10km von der Hauptstraße entfernt steht man dann plötzlich vor dem Eingang des Conserve National Forests, die Straße bis dorthin ist gut befahrbar und asphaltiert. Die letzten Meter bis zum Flussbett des Pai Flusses, der hier das Tal verlässt und sich Richtung Mae Hong Son orientiert, muss man dann zu Fuß gehen. Vorbei an vielen kürzlich gepflanzten Bäumen gelangt man schnell zu einer Szenerie, die idyllischer kaum sein könnte. Und dann erblickten wir die eigentliche Attraktion: 2 Elefanten Damen (passend zum Muttertag) stehen im Wasser des knietiefen Flusses und ließen sich von den ca. 30 Anwesenden abwechselnd mit Bananen füttern und Wasser bespritzen. Die Kinder waren sofort Feuer und Flamme und näherten sich den Tieren, mal vorsichtiger, mal mutiger.

Wir bekamen in den darauffolgenden Stunden immer wieder die Gelegenheit mit den Elefanten in Kontakt zu treten. Während die Erwachsenen den Informationen lauschten und sich unterhielten, genossen die Kinder ein Bad im Fluss. Die vielen Spielmöglichkeiten, die einem die Natur bietet, wurden vollends ausgeschöpft. Als die Tiere sich nach einem langen Spaziergang und einem erneuten Besuch bei uns am Fluss auf die nahegelegene Anhöhe begaben um dort zu fressen, liefen die Kinder mit und spielen dort in einem respektvollem Abstand ihr Spiel weiter. Alle Anwesenden hatten genug Freiraum und doch ist es ein für uns nur noch selten mögliches Zusammenspiel aus Mensch und Natur im Einklang, dass wir Erwachsene hier beobachten durften. Mit einem Glücksgefühl im Herzen ist dieser Tag zu Ende gegangen und wird in uns noch lange nachhallen.

 

Ein kleines Video von diesem unbeschreiblichen Erlebnis

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14 Kommentare

  1. Toller Beitrag mit ehrlichem Standpunkt! Hat uns gut gefallen :) Meine einzige Erfahrung mit Elefanten hab ich im Zoo von Istanbul gemacht. Selbst da hatte ich schon Bauchschmerzen… LG :)

    Antworten
    • Danke. Ja wir haben schon oft auf Kosten unseres Kindes auf Elefanten verzichtet umso mehr haben wir uns gefreut jetzt heir vor Ort eine gute Möglichkeit zu haben! :)

      Im Zoo werden sie wenigstens nicht geritten, über den mangelnden Platz wollen wir mal nicht reden…

      Antworten
  2. Ein toller Artikel! Ich hoffe so sehr, dass Menschen irgendwann verstehen, dass Tiere nicht zu unserem Entertainment da sind. Es ist schön zu sehen, dass es auch Stationen gibt, in denen man Elefanten auf respektvolle Weise begegnen.
    Herzlichst
    Sabine

    Antworten
    • Hallo Sabine,

      Ja das wäre toll und wir versuchen das unserem Kind schon früh zu zeigen. Und siehe da, er differenziert schon sehr gut zwischen Affen in Käfigen oder Elefanten in Ketten auf der einen, und „freien“ Tieren auf der anderen Seite.

      Viele Grüße,

      Chris

      Antworten
  3. Ein super schöner Beitrag über einen tollen Ort! Das sieht wirklich nach einem nachhaltigen Projekt zum Wohl der Tiere aus – und nicht nach einer (mehr oder weniger gut getarnten) Touristenattraktion. Leider erlebt man das zu oft. Wir sind auf Ko Samui bei einem Ausflug mal unfreiwillig in so einer Einrichtung gelandet und haben sofort auf dem Absatz kehrt gemacht. Leider sehen das aber viele Touristen völlig unkritisch und haben hinterher auch noch von ihrem Ritt auf dem Elefanten geschwärmt. Eure Bilder zeigen deutlich, dass es auch anders geht! Dafür Danke!
    Liebe Grüße
    Katharina

    Antworten
    • Hallo Katharina,

      Ja vielen ist jegliches Nachdenken einfach zu viel. Aber steter Tropfen… :)

      Außerdem gibt es ja durchaus auch die Kehrseite, ein vollkommenes boykottieren aller Elefantenprojekte wäre fatal für die Mahud-Kultur Thailands.

      Liebe Grüße

      Chris

      Antworten
  4. Ein sehr schöner Artikel :) ich war erst gestern dort und das war einfach unbeschreiblich! Und es gibt dort auch den besten Gin Tonic überhaupt ??

    Antworten
    • Hallo Anna,

      freut uns zu lesen, dass es dir gefallen hat!

      Bei uns gab es damals „nur“ Bier, müssen eh mal wieder hin – jetzt haben wir einen Grund mehr :)

      Liebe Grüße

      Chris

      Antworten
  5. Hallo, ein toller Bericht über die Situation der Elefanten. Ich war 2016 in einem Camp das ich jetzt nicht mehr unterstützen würde.
    LG herbb

    Antworten
  6. Huhu, nachdem wir den Beitrag gelesen haben, wollten wir uns das sofort angucken. Wir sind so losgefahren, dass wir um 13 Uhr da waren (Park öffnet erst um 13:30). Da wir nicht wussten, wo genau der Eintritt ist, sind wir einfach mal reingegangen. Und da stand auch schon der erste Elefant, angekettet. 1000 baht „donation“ für einen angeketteten Elefanten waren wir nicht bereit zu zahlen. Schade, ich dachte diese Organisation sei anders. Und da fragt man sich einfach nur, warum der arme angekettet sein muss (so wie auch alle anderen Elefanten) und man kein Gehege bauen kann, welches groß genug ist für mehrere (!!) Elefanten.

    Antworten
    • Hallo Victoria,

      ein Gehege ist keine Option weil das wäre ja am Ziel vorbei. Das die Elefanten angekettet sind ist natürlich nicht schön und gar nicht wie es sein soll, wir haben das noch nicht gesehen, waren aber auch schon eine Weile nicht mehr dort. Schade.

      Wir werden uns das demnächst mal auch selber anschauen und nachfragen, vielleicht finden wir dann etwas heraus.

      Viele Grüße

      Antworten
  7. Hallo, durch euren Beitrag sind wir auf darauf gestoßen und waren heute dort. Es war wunderschön zu sehen wie glücklich die Elefantendame war! Es wird dort alles mit sehr viel Liebe gemacht und der Elefant wird zu nichts gezwungen. Wir durften ihn füttern und als er keine Lust mehr hatte, ist er baden gegangen ;-) Wirklich ein ganz, ganz tolles Erlebnis und sehr zu empfehlen für alle, die die typischen touristischen Elefantenshows ablehnen.

    Antworten
    • Hallo Corinna,

      das freut uns zu hören. Wir hatten auch einige Male eine wirklich tolle Zeit dort. Es mag auch nicht alles perfekt sein, aber viel besser als anderswo.
      Eine schöne Zeit euch noch in Pai.

      Viele Grüße
      Victoria

      Antworten

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