Das Kind und Essen – Eine unendliche Geschichte

von | 11. Mrz, 2016 | Freies Leben als Familie | 3 Kommentare

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Nichts kann Eltern so sehr zur Verzweiflung bringen wie ein Kind das nicht essen will, ein Kind das nur etwas bestimmtes essen will oder auch die besondere Variante, ein Kind das ständig essen will. Letzteres zu finden in unserem Haushalt, meist recht amüsant, aber manchmal auch sehr anstrengend. Eine Köchin wäre die Lösung und wir warten nur noch auf den nächsten Geldregen, um dies zu realisieren.

Bevor unser Sohn Liam auf die Welt kam, war ich der festen Überzeugung, dass wenn man dem Kind eine gesunde Ernährung vorlebt, es diese ganz automatisch übernimmt. Ich hätte es besser wissen müssen, schließlich bin ich mit Eltern aufgewachsen, die ein Obst- und Gemüsegeschäft hatten, habe aber meine Liebe zum gesunden Essen auch erst im Erwachsenenalter kultiviert.

Zu wenig Essen war noch nie ein Thema bei uns

So hat es sich dann ergeben, dass ich schon in den ersten Tagen beim Stillen dieses fordernden Säuglings gemerkt habe: So ein Kind satt und zufrieden zu bekommen, das ist gar nicht so einfach.

Liam hat es mir zwar sehr in Punkto Stillen leicht gemacht, da er das sofort raushatte mit dem Trinken, allerdings zeigte er einen unbändigen Appetit und so verbrachte ich die ersten Wochen ausschließlich mit entblößten Brüsten und angedocktem Kind. Es war plötzlich eine tagesfüllende Aufgabe unser Baby satt zu bekommen. Nix von wegen alle paar Stunden sondern eigentlich andauernd. Ich weiß nicht, wem das vor dem ersten Kind bewusst war, aber mir sicher nicht. Hier hat sich übrigens bis heute nicht viel geändert, das Kind hat immer noch alle 2 Stunden Hunger und verdrückt teilweise Mengen die anderen Eltern die Tränen in die Augen treiben. Uns auch regelmäßig aber aus anderen Gründen. Findet mal 6 ausgewogene Mahlzeiten an einem Tag für euer Kind. Das ist gar nicht so einfach. Glücklicherweise hat er aber offensichtlich einen schnellen Metabolismus, denn man sieht es ihm schlicht nicht an.

Als es dann darum ging, auch etwas feste Nahrung in dieses Kind zu bekommen, hat es sich wieder anders ergeben als vorher geplant, das Kind hat sich als sehr heikel erwiesen und das obwohl wir Eltern doch gerne und viel verschiedenes essen. Keine der gängigen Gemüse- noch Obstsorten standen auf Liams Wunschliste. Mal ein bisschen hiervon oder davon, aber nichts in großen Mengen, außer Milch und Brei. Davon aber reichlich.

Entspannte Herangehensweise dank Stillen

Da ich 1,5 Jahre voll gestillt habe, haben wir sein Selektieren hingenommen, da er im Prinzip gut durch mich versorgt war. Auch haben wir ein von Anfang an sehr großes und kräftiges Kind und man konnte ihm gut beim Wachsen zuschauen. Ja, ich habe ein großes Kind mit viel Appetit voll gestillt, es wurde satt und ich hatte zwar dünne Nerven, aber ganz nebenbei die beste Figur meines Lebens.

Als er dann nicht mehr bei mir trank, gab es dieses ungute Gefühl, dass mich regelmäßig beschlich. Ich hatte Angst mein Kind würde nicht genug Nährstoffe abbekommen da er am liebsten Reis, Nudeln und Brot aß und da schrillen dann alle mütterlichen Alarmglocken. Deshalb hab ich mir so einiges einfallen lassen. Die Pfannkuchen für Liam bestanden aus Kürbis, Spinat oder waren mit Buchweizen und Haferflockenmehl anstatt normalem Weizenmehl gemacht. Mein Mann hat mich regelmäßig verflucht, wenn er wieder ahnungslos in einen „gesunden Pfannkuchen“ gebissen hat, der nicht nach dem geschmeckt hat, was er vorgab zu sein. Aber das Kind hat es mitgemacht und ich war entspannt und happy, beschwingt und stolz. Er war satt und hatte etwas gesundes zu sich genommen.

Monatelang hab ich zusätzlich jeden Tag mit ihm gesunde Säfte gepresst, weil es ihm Spaß machte und er dann auch einige Schlucke davon getrunken hat.

Süßigkeiten waren lange ein Tabu – eine gute Entscheidung

Die ersten 2 Jahre hat unser Sohn keinerlei Süßigkeiten bekommen und das war die beste Entscheidung überhaupt. Denn so hat er sich wenigstens gefreut wenn er Marmelade bestehend aus püriertem Obst bekommen hat. Er reagierte beim Einkaufen auch entsprechend überhaupt nicht an den Quengelregalen im Supermarkt – er ahnte ja nicht, was sich darin verbarg. Hat er eine Gummibärchenpackung geschenkt bekommen spielte er damit vergnügt und legte es irgendwann wieder weg ohne zu ahnen, dass man dies essen kann.

Heute ist Liam 4,5 Jahre alt und er isst immer noch bei weitem nicht alles was man ihm hinstellt. Süßigkeiten bekommt er selektiert und eigentlich nicht sehr viel. Trotzdem schafft er es, dass wir fast täglich darüber diskutieren, ob er noch ein Bonbon mehr bekommt gegen den Husten und wann es wieder Eis gibt. Nach wie vor liebt er alles trockene wie Nudeln, Reis und Brot. Obst isst er fast nur in Smoothie Form oder als Eis (gefrorene Smoothies). Gemüse bekommt man nur in ihn rein, wenn man ihm eine pürierte Suppe davon macht.

Aber trotzdem wird es, wenn ich es versuche objektiv zu betrachten, immer besser. Er isst nun auch Salat, so lange er mit Joghurt angemacht ist, und probiert schon auch hier und da einmal etwas Neues. Das mit dem Salat essen war übrigens so überraschend für uns, dass wir gleich ein Video davon gemacht haben als er aus dem nichts ganz selbstverständlich in die Salatschüssel griff und genüsslich den Salat gegessen hat. Tja, Eltern halt gell.

Keine Lust mehr auf Essens-Tricks

Was meine Gemüse-Versteck-Aktionen betrifft, bin ich aus dieser Phase raus. Ich mag schlicht und einfach nicht mehr. Ich hab lange alles versucht und nun bin ich einfach durch damit. Ich diskutiere wahrscheinlich immer noch zuviel mit ihm über das Essen, hab mir aber fest vorgenommen, das auch mehr sein zu lassen. Bei jeder Mahlzeit versuche ich, dass etwas dabei ist, was Liam isst. Das klappt aber nicht immer und deshalb isst er mal ausgewogen und auch mal nicht. Er soll aber nun mehr Freiheit haben was er isst (ausgenommen Süßes), denn er hat mir eigentlich bewiesen, dass es schon so geht wie er es macht und ich muss ihm da wohl auch mehr vertrauen.

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Da wir als Familie in Thailand und Deutschland leben, schaffen wir es genau genommen, dass unser Kind in 2 unterschiedlichen Esskulturkreisen satt wird. Auch wenn ich bei unseren zahlreichen Flügen und Autofahrten manchmal nervös bin und durchaus oft besser vorbereitet als andere, so ist es doch meist kein Problem und Liam ist noch nie hungrig schlafen gegangen.

Was wir vermutlich anders machen würden

Wenn ich mir vorstelle, ich könnte es nochmal von vorne machen, so würde ich gerne noch entspannter mit dem Thema Essen umgehen. Dem Baby von Anfang an mehr unterschiedliche Mahlzeiten anbieten, egal ob da nun etwas Salz dran ist oder nicht. Weniger Aufhebens um das Kleckern machen und überhaupt das Essen nicht mehr so vorne anstellen.

Ob es zu dieser Chance durch ein 2. Kind kommen wird? Wer weiß, was die Zukunft bringt.

Bis dahin übe ich weiter an meinem jetzigen Versuchskaninchen und wenn ich Gefahr laufe zu entspannt zu werden, dann sind da ja immer noch die anderen Baustellen des elterlichen Alltags.

Mit diesem Beitrag nehme ich Teil an der Blogparade von Severine mit dem wunderbaren Blog „Mama on the Rocks“. Sie hat aufgerufen zu einer Blogparade zum Thema #MissionFood4Kids und wir haben uns angesprochen gefühlt.

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