Unser Sohn Liam ist aktuell 3 Jahre und 10 Monate. Er ging nie zur Tagesmutter, in die Grippe oder in einen Kindergarten, auch der Besuch einer Schule steht für uns nicht auf dem Plan, diese Entscheidung stellt sich aber aktuell auch noch gar nicht. Wir werden aber in Zukunft auch auf unserem Blog verstärkt mit dem Thema „Freilernen“ im weitesten Sinne und in seinen Facetten befassen. Vorerst scheinen wir bereits mit der Entscheidung, ihn nicht in einen Kindergarten zu geben, ziemlich exotisch zu sein. In einer Artikelreihe über die nächsten Monate möchten wir auf das „Wie“ eingehen und ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern.

Wir wollen in diesem ersten Artikel gar nicht auf unsere ganzen Hinter- und Beweggründe eingehen, sondern einfach mal beschreiben wie sich unser Alltag ohne Fremdbetreuung im Kontext „Arbeit“ so gestaltet und womit wir auch mal hadern.

Was wir mit der gemeinsamen Zeit so anstellen an Aktivitäten und Spaß wird in diesem Artikel auch nur am Rande gestreift und in einem separaten Artikel in naher Zukunft ausführlich beschrieben.

Seit Anfang Mai sind wir nach sechs Monaten in Thailand wieder in München, wollen aber spätestens im November wieder nach Thailand, genauer gesagt nach Pai. Bis dahin steht so einiges auf dem Programm, bisher viel arbeiten und bald dann unsere Wohnung auflösen, da wir diese aufgeben werden. Langeweile kommt selten auf.

Arbeiten und trotzdem viel Zeit für unser Kind haben

Es ist ja nicht so, dass wir in Thailand nur Urlaub machen, aber unsere Arbeit dort ist nicht an feste Zeiten gebunden und das hat viele Vorteile. In München arbeiten wir vor allem auf zwei Baustellen: Victorias Vater hat einen Lebensmittelladen in Neubiberg bei München und wenn wir da sind entlasten wir ihn bei der Arbeit: ich fahre mindestens zweimal die Woche früh morgens in die Großmarkthalle und erledige den Einkauf, fahre dann in den Laden und Victoria arbeitet vorwiegend nachmittags, wir wechseln uns also meistens ab. Darüber hinaus haben wir ja auch eine Rikscha Firma (München Rikscha) und bieten Stadtrundfahrten und andere Rikschafahrten an, wobei wir sowohl selber fahren als auch Fahrten an andere vermitteln.

In der Regel richten wir alles darauf aus, dass maximal einer von uns arbeitet. Und wenn wir dann doch mal beide im Laden sind oder auf der Rikscha sitzen haben wir Chris‘ Eltern drei Stockwerke unter uns, Victorias Mutter springt auch gerne ein und auch Victorias Vater und seine Frau Anne haben sich auch schon um Liam gekümmert – Liam hat ja drei Omas! Und wenn mal niemand Zeit hat, kümmern wir uns eben um andere Rikschafahrer oder andere Verkäufer im Laden.

Wir haben uns da eine gewisse Flexibilität geschaffen, die uns sehr wichtig ist – denn an erster Stelle steht gemeinsame Zeit mit Liam, das liebe Geld kommt da bestenfalls an zweiter Stelle ins Spiel. Wenn es primär ums Geld ginge, hätten wir wohl nach dem Studium und lange vor dem Kind schon einen anderen Weg einschlagen müssen.

Liam liebt Opas Laden

In vielen Fällen sieht es dann so aus, dass Liam mittags mit seiner Mama in Laden kommt, und ich übernehme ihn dann. Aber  schnell aufbrechen ist nicht, so ein Obstladen ist ein Paradies für kleine Kinder. Wassersprüher, Kisten zum aufeinanderstapeln, kleine Wagen und Sack Karren zum rumschieben und natürlich die Königsdisziplin: selber Obst einpacken, an der Kasse Waren wiegen und rumtippen. Manche Kunden müssen da schon mal ungefragt durch. Draußen kann man dann mit den Wagen Rampen runterrattern oder Kräuterstöcke gießen, Fenster putzen oder Papa mit dem Wassersprüher jagen.

Und dann sind da natürlich all die Menschen, die er kennt und regelmäßig trifft. Die Angestellten im Laden und in den Nachbarläden, die ihn freudig begrüßen oder Nachbarn und Kunden, von denen viele schon Victoria im gleichen Alter kannten schaffen eine familiäre Atmosphäre in der er sich sehr wohl fühlt. Viele davon haben in seiner Welt eine feste Rolle, Marko z. B. hat sich als Butter Brezen Zubereiter profiliert – kein Wunder, im Vergleich zu uns knausert der nun wirklich nicht mit der Butter. Und seine Breze kauft er inzwischen ganz alleine in der benachbarten Bäckerei, da dürfen wir ja nicht mitgehen. In erster Linie freut er sich aber natürlich wenn Oma und Opa auch da sind, die beiden werden zur besseren Differenzierung oftmals als „Laden-Opa und Laden-Oma“ bezeichnet. Victorias Mama ist übrigens Bärli Oma, ihr Hund heißt nämlich Bärli. Ein pragmatischer Ansatz wie wir finden.

Manchmal fällt es schwer ihn davon wegzureißen, aber wenn man selbst schon 10 Stunden auf den Beinen ist, steht einem verständlicherweise der Sinn nach einem Szenenwechsel und meistens finden wir da einen Kompromiss mit dem wir alle gut leben können – meistens.

Rikschafahren ist zum Glück eine recht flexible Angelegenheit

Eine Rikscha eignet sich auch zum Eis essen

Eine Rikscha eignet sich auch zum Eis essen

Anders sieht es mit Rikscha Aufträgen aus. Wir fahren inzwischen eigentlich nur noch raus für feste Buchungen, so ist garantiert, dass wir keine Leerzeiten mit dem Warten auf Kunden haben. Wenn wir mal beide fahren ist das zumeist sehr einfach zu lösen, da ja meine Eltern im gleichen Haus wohnen und sich immer gerne um ihren Enkel kümmern und Liam auch überhaupt keine Einwände dagegen hat zu Oma und Opa zu gehen, Einwände gibt es eher wenn wir ihn im falschen Moment abholen möchten.

Die Sache mit dem Mittagsschlaf

Da gibt es aber noch eine weitere Komponente, die sich auf Arbeit und Alltag auswirkt: der Mittagschlaf. Unsere Tage sind nach wie vor etwas zerrissen, was in erster Linie an Liams Mittagsschlaf liegt. Er braucht diesen nach wie vor, es sei denn man will ab 1 Uhr mittags ein weinerliches Kind haben, und er ist obendrein ein Zuhause-Schläfer, also eigentlich nur in seinem Bett oder wenn wir verreisen in dem jeweiligen Bett, aber Auto oder irgendwo auf der Wiese ist nicht. Kinderwagen hatten wir eh nie und für das Tragetuch ist er uns inzwischen zu schwer. Die meisten Tage haben somit einen zweigeteilten Aufbau: vor dem Schlaf und nach dem Schlaf. Das führt manchmal schon zu etwas Stress, zumal die einfache Fahrstrecke zum Laden mindestens 45 Minuten ist. Die Nachmittage sind dann auch oftmals recht kurz, insbesondere wenn er mal von zwei bis vier Uhr schläft und noch eine halbe Stunde zum munter werden braucht.

Erschwert wird das Ganze dadurch, dass er eigentlich nur mit Papa schlafen geht. Als Liam 19 Monate alt war und abgestillt wurde habe ich die Schlaf-Routinen übernommen. Und das sieht über zwei Jahre später immer noch nicht anders aus, wie wir ja auch einmal in einem Artikel beschrieben haben.

Flexibel ist anders, aber im Großen und Ganzen sind wir mit der Situation nach wie vor zufrieden und spätestens in Thailand wird das auch wieder ganz in unserem Sinne sein. Durch den Mittagsschlaf ist er nämlich abends länger munter und das kommt einem durchaus entgegen, wenn man viele Freunde vor allem Abends antreffen kann. Hier in München hat das natürlich Nachteile, wenn das Kind erst um 22:00 schläft und um 3:30 der Wecker für die Großmarkthalle klingelt – aber das sind ja auch nur zwei Tage die Woche und ich bin ja noch jung, rede ich mir zumindest gerne ein.

Wie regelt ihr das mit Zeit für eure Kinder und Arbeiten? Wir freuen uns über eure Kommentare!

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