Im zweiten Teil unserer Freilerner Diaries möchten wir ein wenig davon berichten, wie unser Sohn Liam sprachlich in Thailand zurechtkommt, obwohl seine Muttersprache Deutsch ist – und die hilft ihm hier außerhalb der Familie nicht sehr viel.

Es gibt immer mehr Familien, die für längere Zeit auf Reisen gehen. Sei es für ein Jahr oder unbegrenzt, sie alle haben oftmals Bedenken, wenn es darum geht, wie ihre Kinder (die in der Regel bis dahin nur deutsch gesprochen haben) damit zurechtkommen sollen, dass nun vermehrt Fremdsprachen wichtig sind. Obwohl wir der Meinung sind, Kinder an sich benötigen keine Sprache zum Kommunizieren, ist es natürlich sehr hilfreich, wenn eine gemeinsame sprachliche Basis vorhanden ist. Praktischerweise kommt man in vielen Teilen der Welt mit Englisch gut weiter, so auch in Thailand. Wenn die Kinder also diese Sprache beherrschen, ist ihnen schon einmal viel geholfen. Dass Kinder englisch lernen können, ganz ohne Schule oder einen Lehrer möchten wir euch anhand unseres Sohnes vorstellen.

Die ersten Fremdsprachen lernte er mit einem Jahr – Englisch und Thai

Liam hat einen Vorteil gegenüber vielen andern Kindern. So richtig fremd ist unserem Sohn weder die englische noch die thailändische Sprache, seinen ersten längeren Aufenthalt hier in Thailand von 6 Monaten hatte er schon mit knapp einem Jahr. Wir wohnten damals im Guesthouse von Freunden und die Besitzer sowie alle Angestellten sprachen den ganzen Tag immer wieder thailändisch mit ihm. Das hatte zur Folge, dass er mit knapp 19 Monaten zu 70 % Deutsch sprach und zu 30 % Thai. Es gab einige Dinge, für die er das thailändische Wort klar bevorzugte, anstatt „Aua“ sagte er beispielsweise immer „Jeb“ – zum Erstaunen der Menschen in Deutschland, als wir wieder in München ankamen.

Vieles davon hat er natürlich in den darauffolgenden 17 Monaten in Deutschland wieder vergessen und Englisch spielte zu diesem Zeitpunkt eine untergeordnete Rolle. Auffällig ist jedoch, dass er auch heute noch von diesem frühen Kontakt mit der thailändischen Sprache profitiert. Thai ist nämliche eine tonale Sprache aus der Gruppe der Tai-Kadai-Sprachen (wie auch laotisch), viele Worte haben bis zu 5 verschiedene Bedeutungen und die eigentliche Bedeutung definiert sich über den Tonfall bzw. die Betonung. „Ma“ kann beispielsweise Hund oder Pferd heissen, es kann also passieren, dass man sagt: „Kann ich auf dem Hund reiten?“.

Für Menschen mit einem muttersprachlichen Hintergrund in einer nicht-tonalen Sprache (alle germanischen oder romanischen Sprachen) sind die Unterschiede oft schwer zu hören und noch schwieriger in die Tat umzusetzen. Liam wird immer attestiert, dass seine Aussprache von Thai Wörtern sehr gut und klar ist, ein Kompliment, dass Thais Ausländern nur selten zukommen lassen – wir selbst bekommen es sehr selten zu hören! Dies zeigt ganz klar, dass ein früher Kontakt im Leben mit verschiedenen Sprachen vom Gehirn registriert und gespeichert wird. Liam hört ganz selbstverständlich den Unterschied im Ton, während wir auch nach mehrmaligem Nachfragen oftmals ratlos sind.

Das Thai stagniert während Englisch aufblüht – und dann kam die Unterbrechung

Liam führte die Preisverhandlung (fast) alleine auf Englisch

Liam führte die Preisverhandlung (fast) alleine auf Englisch

Mit drei Jahren war Liam dann wieder für 6 Monate in Thailand. Da wir dieses mal mehr mit englischsprachigen Personen Kontakt hatten, bzw. selbst eben auch englisch gesprochen haben entwickelte sich sein Englisch nach und nach. Er verstand immer mehr, aber freie Gespräche führte er nur selten. Gerade als er einen Sprung hinlegte und anfing damit, selbst Sätze zu formulieren, mussten wir wieder nach Deutschland. Wir versuchten das Erlernte durch uns etwas am Leben zu halten, aber so richtig wollte das nicht klappen. War aber auch nicht schlimm, wir wussten ja, dass wir bald wieder in Thailand sind.

Liam sagte immer: „Wenn wir wieder in Thailand sind, dann spreche ich ganz viel englisch!“

Und genau so kam es. Wir landeten, nach einem halben Jahr Deutschland, im November 2015 wieder in Bangkok und er quatschte gleich mal im Flughafen mit der Kellnerin vom Nudelsuppen-Shop drauf los, indem er selbstständig nach Stäbchen fragte. Sein Wortschatz war natürlich noch sehr limitiert, aber dieses Schicksal teilt er mit vielen anderen Menschen hier und gerade bei Kindern gibt sich jeder in Thailand viel Mühe, die Wünsche an den Augen abzulesen.

Vor 6 Monate begann eine große Veränderung

Im vergangenen November sind wir in Pai in das Mietshaus von Freunden eingezogen und auf demselben Grundstück wohnt ein Mädchen, dass zwei Jahre älter und halbe Engländerin ist. Die ersten Wochen waren die beiden unzertrennlich und auch ansonsten konnte er sich nicht über mangelnden Kontakt zu englisch sprechenden Menschen beschweren. Umgeben von der englischen Sprache hat das bei ihm eine stetige Verbesserung seiner Kenntnisse bewirkt. Obwohl er ja eben nicht in einem Kindergarten, sondern immer mit uns zusammen ist. Das bedeutet einerseits, er hört und spricht nach wie vor zu 80 Prozent Deutsch, was nun eher ungeeignet zum Erlernen einer Fremdsprache ist. Andererseits ist in unserem Umfeld bis auf eine Schweizer Freundin, niemand der deutsch spricht und alle Kinder und Erwachsenen um ihn rum sprechen Englisch. Dadurch erfährt er sowohl Wörter aus der Welt der Erwachsenen als auch der Kinder im Spiel.

Und, soviel sei gesagt: „poopoo pants“ hat er nicht von Erwachsenen gelernt! Hoffen wir zumindest.

Insgeheim wünscht man sich als Eltern natürlich, dass das Kind ganz schnell die Sprache lernt, um nicht ausgegrenzt zu sein. Trotzdem haben wir ihm keinen Druck gemacht, ihn immer frei entscheiden lassen, wie viel er in Englisch sprechen möchte. Wenn er sich nicht traute, haben wir übersetzt und machen das auch heute noch ab und an. Er wurde nie gezwungen oder, „ins kalte Wasser geschmissen“ oder von uns „vorgeführt“. Es sollte seine Entscheidung sein, in welchem Tempo er diese neue Sprache annimmt. Im Sinne des Attachement Parenting haben wir eben auch hier gehandelt. Diesen Weg geht man meiner Meinung nach in allen Lebenslagen, nicht nur in einer.

Da er jedoch von sich aus ein sehr geselliger und mitteilsamer Junge ist, wendet er täglich mehrmals seinen kompletten Wortschatz an und baut ihn auch stetig aus. Übrigens ebenso noch im Deutschen, im Moment ist sein Lieblingswort „ap­ro­pos“. Als uns 2 Monate lang Liams Großeltern besucht haben, ist sein Englisch etwas langsamer vorangeschritten. Dafür hat er wieder einen Riesensprung hingelegt, als wir 2 Wochen mit Freunden Tür an Tür gewohnt haben auf Koh Chang.

Nun ist sein Wortschatz so umfangreich, dass er genug Selbstvertrauen hat zu reden, ohne über Fehler nachzudenken, die er natürlich immer noch macht. Da er derzeit auch Interesse für Lesen und Schreiben zeigt, wird ihm nun auch schon gleich mit bewusst, wie unterschiedlich Wörter in den beiden Sprachen geschrieben werden. Wir hören ihn immer mehr vor sich hin buchstabieren (in Teilen, z. B. „Aut – o“ oder „M-o-nkey“) und wenn er so weiter macht können wir bald einen Artikel über das freie Lesen bzw. Schreiben lernen verfassen. Oder auch erst in ein paar Jahren, das ist ja so spannend am Freilernen.

Gab es noch andere Hilfsmittel beim Lernen?

Im Prinzip verbessern sich Liams Englischkenntnisse im Alltag, aber er hatte auch ein paar Hilfsmittel, die ihm gerade anfänglich sehr dabei geholfen haben. Genauer gesagt handelt es sich um zwei Dinge:

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Tip-Toi Stift mit englischen Büchern

Chris‘ Eltern haben Liam Ende Januar aus Deutschland einen TipToi Stift* mitgebracht, unter anderem mit einem Englisch Lernbuch*. Alltagsbegriffe kommen darin ebenso vor wie englische Kinderlieder. Sein Wortschatz hat sich dadurch stark verbessert und nebenbei haben wir ein weiteres Unterhaltungsspielzeug für lange Autofahrten oder Flüge.

Das iPad als Lernhilfe

Eine weitere sehr nützliche Lernhilfe waren diverse Lernapps auf dem iPad. Die Nutzung von Mediengeräten ist bei uns recht limitiert, allerdings fällt es uns leichter „ja“ zu sagen, wenn wir wissen, dass er etwas Lehrreiches oder in unseren Augen „Sinnvolles“ macht. Ob das jetzt das Anschauen von Löwenzahn ist (ja, die alten Folgen mit Peter Lustig gefallen ihm sehr) oder eine Lernapp, ist dabei unerheblich.

Wir haben einige gute Lernapps gefunden in den vergangenen Monaten und Jahren. Was Englisch anbelangt war wohl „Squirrel und Bär“ für eine recht lange Zeit der Favorit.

Die App ist aber in unseren Augen zu schwer für Kinder unter 4 Jahren, vor einem Jahr hat Liam beispielsweise gerne Lingu Pingu gespielt.

Trotz dieser technischen Hilfsmittel, wäre sein Wortschatz aber nie so gut ohne den täglichen Umgang mit der Sprache.

Meines Achtens macht es deshalb auch keinen Sinn, seine Kinder in jungen Jahren mit Fremdsprachenkursen zu stressen. Auch wir Erwachsene lernen nicht gerade viel, indem wir einmal die Woche für eine Stunde etwas Neues vorgekaut bekommen. Das Erleben und Anwenden ist essentiell beim Erlernen einer neuen Sprache. Wie sich bei Liam gezeigt hat, macht es für ihn auch einen großen Unterschied, ob er die Sprache aktuell gerade braucht. In Deutschland tut er das nicht und dann hat er auch kein Interesse daran Englisch anzuwenden.

Lustige Erkenntnisse bei der Sprachentwicklung unsere Sohnes

Sein Kind beim Wachsen und Erlernen neuer Dinge zu beobachten, ist wahnsinnig spannend. Man erfährt hautnah, wie anders Kinder denken und empfinden. Noch viel freier von Regeln und Konventionen, sondern aus einem Instinkt heraus. Wir haben einige interessante Beobachtungen gemacht, die wir euch nicht vorenthalten möchten:

  • Schon mit drei Jahren hat Liam ihm nicht bekannte Wörter in Konversationen einfach durch das deutsche ersetzt – dem deutschen Wort dann aber einen englischen Touch verpasst, z. B. durch eine Vokalverschiebung und die geänderte Aussprache des R und von anderen Buchstaben. Er hatte also schon früh ein Gefühl für die Klangunterschiede zwischen den Sprachen. In gewissem Maße macht er das auch heute noch, zunehmend versucht er aber das unbekannte Wort zu umschreiben.
  • Vor einigen Wochen hat er angefangen richtige Geschichten auf Englisch zu erzählen. Auf Deutsch ist er schon seit Langem ein großer Geschichtenerzähler mit blühender Fantasie, das kann jeder bezeugen, der ihn kennt. Als er dann letztens einer Thai Freundin von uns auf Englisch von Spiderman erzählte und was der nicht alles kann, da waren wir schon etwas überrascht. Das Lustige daran ist vor allem: die Hälfte davon war reine Fantasie, er hat Spiderman nämlich noch gar nicht anschauen dürfen. Aber gerade diese Fantasie zeichnet ihn auf Deutsch auch aus und es ist schön zu sehen, dass er dieser jetzt auch in einer zweiten Sprache freien Lauf lassen kann.
  • Er diskutiert und widerspricht inzwischen zweisprachig, nicht nur bei uns, sondern auch bei Freunden. Ob das jetzt gut ist, wissen wir nicht so genau, aber es ist wie es ist.

Auch für Erwachsene gibt es faszinierende Methoden um Sprachen zu lernen

Wir haben kürzlich diesen TEDx Vortrag vorgestellt, in dem 5 Tipps zum Sprachenlernen gegeben wurden. Wir sind der festen Überzeugung, dass die Art und Weise, wie Sprachen in Schulen und auch Universitäten gelehrt werden nicht der Weisheit letzter Schluss ist.

Es gibt ja auch genügend andere Methoden zum Sprachenlernen, die ohne Grammatik- und Vokabelpauken auskommen. Eine der besten Methoden stellt in unseren Augen die von Vera Birkenbihl entwickelte Vorgehensweise dar. Die Erfinderin ist leider 2011 verstorben, ihr Vermächtnis in Form von Büchern und Audiokursen* für viele Sprachen ist aber noch präsent. Eine Besonderheit ihrer Methode ist das Dekodieren eines Textes aus der Fremdsprache ins Deutsche. Dabei wird der Text Wort für Wort übersetzt, ohne Rücksicht darauf, ob das dann noch Sinn macht oder grammatikalisch korrekte deutsche Sätze ergibt. Ein positiver Lerneffekt davon ist, dass dadurch z. B. Unterschiede im Satzbau zwischen den Sprachen sofort auffallen.

Eine andere sehr gute Methode, gerade für Menschen mit einer gewissen Affinität zu Technik, stellen die Rosetta Stone Sprachkurse* dar. Dabei wird einem über Bilder die neue Sprache näher gebracht, es kommt nie zu einer Übersetzung, stattdessen werden Assoziationen im Gehirn zwischen dem Bild eines Elefanten und dem z.B. spanischen Wort dafür gebildet – so wie das auch bei Kindern passiert. Neben den DVDs gibt es inzwischen auch Kurse mit vollem Onlinezugang und per App, ideal für Reisende.

Ihr wollt vor oder während eurer Thailandreise die Sprache lernen?

Für Englisch gibt es unzählige Angebote, aus denen man wählen kann. Für andere Sprachen ist es oftmals gar nicht so leicht etwas Passendes zu finden. Wir haben einige Online Sprachkurse für Thai entdeckt. Einer davon stammt von Sebastian, der auch den Blog Phuketastic betreibt. Schaut euch doch mal seinen Thai Kurs für Anfänger* an.

Einen weiteren Thai Kurs gibt es in Form eines Thailändisch für Reisende* Kurses von Kilian, der euch den Start erleichtern soll.

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